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fast wie Science-Fiction: "Unser täglich Brot" von Nikolaus Geyrhalter
liefert ein überwältigendes Bild der Nahrungsmittelproduktion. |(c)
stadtkino |
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Recht
unangreifbar war die Entschei dung für den Großen Diagonale- Preis im
Spielfilm: Michael Hanekes kühler Kunstthriller Caché, schon mit dem
europäischen Filmpreis gekürt, wurde als beste heimische Fiktion des
Vorjahres geehrt. Eher ein Statement war die Jury-Entscheidung beim
erstmals vergebenen, ebenfalls mit 15.000 Euro dotierten Großen Preis
im Dokumentarfilm-Sektor. Nicht für die "großen", international
gefeierten Arbeiten von Michael Glawogger (Workingman's Death) und
Nikolaus Geyrhalter (Unser täglich Brot), sondern für zwei "kleine"
Werke: Exile Family Movie von Arash, ein Publikumsliebling des
Festivals, sowie Babooska, Tizza Covis und Rainer Frimmels klar
gestaltete Studie des spröden Alltags einer Wanderzirkus-Familie,
übrigens eben erst bei Berlinale und dem Pariser "Cinéma du
réel"-Festival preisgekrönt.
Das
spricht für das Renommee und die kreative Stärke des heimischen Films,
was sich auch im ex-aequo-Preis für Innovatives Kino niederschlug: Mit
Tina Frank und lia kamen zwei Kräfte jener bemerkenswerten abstrakten
Bewegung zum Zug, die schon länger ungewöhnliche Maschinenbilder
zwischen Malerei und Musik liefert, dazu wurde ein ambitionierter
Erinnerungs-Kurzfilm von Gabriele Mathes prämiert.
Gemeinsam
mit konstant gutem Besuch - bei einem Spieltag weniger wurden 15.000
Tickets ausgegeben (im Vorjahr: knapp über 16.000) - warf das ein gutes
Licht auf die Kraft der Leistungsschau des heimischen Films. Was nicht
heißt, dass jenseits der Leinwände alles so produktiv lief: Die
zentrale Schiene mit Diskussionen war zwar auch erfreulich gut
ausgelastet, ihr Gewinn aber begrenzt. Eine hitzige Debatte zum
österreichischen Film und seinem Markt, wo Michael Haneke heftig gegen
die "Förderung der Provinzialität" durch rein auf kommerziellen Erfolg
ausgerichtete Subventions-Wünsche von Produzenten-Verbands-Präsident
Helmut Grasser wetterte, trug allenfalls zur Klärung der Fronten bei.
Auch das Gespräch zur leidigen Behandlung des heimischen Films durch
den ORF bot zwar zitable Ansagen, aber keine neuen Ideen.
Ein
Tiefpunkt schließlich bei der Diskussion zur heimischen Kritik, als
sich Diagonale-Intendantin Birgit Flos vom Podium herab wenig
durchdacht über einen Artikel in der neuen Ausgabe der Zeitschrift
"kolik.film" beschwerte, der ihr beim Frühstück aufgestoßen war. Mit
nur fünf Heften hat dieses Magazin analytisch jedenfalls schon mehr
gebracht als die Diskussionen - in der Anlage des Diskursrahmens der
Diagonale besteht deutlicher Änderungsbedarf. Auch der bemüht heitere
Rahmen der Preis-Zeremonie, wo befremdlicher Weise eine Szene aus dem
Hollywood-Horrorfilm Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast
nachgespielt wurde, war dem Niveau des präsentierten Filmschaffens
nicht angemessen.
Denn filmisch wurde viel
geboten: Die monumentalste Österreich-Premiere war Geyrhalters Unser
täglich Brot, eine kommentarlose, rhythmisch und optisch überwältigende
Abfolge von Tableaus aus der Nahrungsproduktion. Von der
Olivenbaum-Rüttelmaschine bis zur fast völlig durchmechanisierten
Fleischverarbeitung liefert der am 21. April anlaufende Film teils
verstörende Blicke auf eine Industrie, deren reibungslose Abläufe in
ihrer synthetischen Leere oft wie Science-Fiction anmuten.
Quasi
entgegengesetzt: die Betonung des Menschlichen in Exile Family Movie.
Arashs autobiografisches, emotionales Langzeitprojekt kulminiert im
Wiedersehen seiner über die Welt verstreuten, also ganz verschieden
sozialisierten iranischen Familie, wurde nicht zuletzt als Gegenbild
zum viel zitierten "Kampf der Kulturen" geschätzt. Die
ambitioniertesten Entwürfe waren aber zwei abendfüllende Versuche von
Experimentalfilmern: Norbert Pfaffenbichlers Notes on Film 02 dehnt
einen Kurzfilm durch Variationen zur dekonstruktivistischen
Auseinandersetzung mit der Moderne. Ebenfalls
rückblickend und modern war Timo Novotnys Life in Loops: Sein mit neuem
Material angereicherter, zu Musik der Sofa Surfers arrangierter Remix
von Michael Glawoggers Megacities ist eine überzeugende kontemporäre
Version des klassischen Topos der Großstadtsinfonie. Gewinnbringend
erschlossen sich da auch Bezüge zu feinen historischen Programmen, in
diesem Fall: zu den stummen Montage-Arbeiten von Albrecht Viktor Blum.
Die Präsentation der einsamen Austro-Meisterwerke des Exil-Kanadiers
John Cook aus den 70ern lieferte einen personellen Bezug: Seinem
einstigen Mitarbeiter Michael Pilz gelang mit der innerlichen Rückschau
Windows, Dogs and Horses der ergreifendste Film des Festivals.
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